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Was geschieht mit dem Soli-Beitrag?
BanaFair vertreibt Bananen von KleinproduzentInnen, die sich beim
Anbau um die Einhaltung ökologischer und sozialer Mindeststandards
bemühen. Diese Anstregungen unterstützt BanaFair durch die Zahlung
besserer Preise. Daneben ist im Bananen-Preis ein zusätzlicher
Projekt-Aufschlag enthalten. Mit diesem »Soli-Beitrag« werden
soziale, ökologische, ökonomische und politische Projekte von
Partnerorganisationen finanziert, zur Verbesserung der Lebens-
und Arbeitsbedingungen der Menschen in den Anbauregionen. Der
Soli-Beitrag ist ein zentrales Merkmal für den spezifischen Handlungsansatz
und die Sinnhaftigkeit des entwicklungspolitischen Konzeptes von
BanaFair im Kontext des fairen Handels: es geht nicht alleine
um eine Begünstigung der relativ wenigen Menschen, die unmittelbar
an der Produktion der konkreten Banane beteiligt sind, die für
den fairen Handel ausgewählt wurde. Dies würde nur zur Schaffung
von Wohlstandsinseln führen. Vielmehr stellt die Bananenproblematik
ein komplexes strukturelles Problem dar, von dem Menschen in vielfältigster
Weise betroffen sind. Gewerkschaften, Umweltorganisationen, KleinproduzentInnen,
Frauenorganisationen und andere Gruppen müssen sich vielerorts
mit den negativen Auswirkungen der Bananenindustrie auseinandersetzen.
Ihre Arbeit wird mit dem Soli-Beitrag gefördert. Einige Beispiele
für die Verwendung des Projektaufschlages wollen wir hier erneut
beschreiben.
Das Finanzierungsprogramm FOSBAS (Fondo Social del Sector Bananero) in Costa Rica wird seit 1995
von BanaFair und der schweizerischen Schwesterorganisation Gebana
unterhalten. Die Vergabe der Fondsmittel und die Betreuung der
Finanzierungsempfänger obliegt FOMIC, einer costaricanischen Nichtregierungsorganisation,
die auf die Förderung sozialer und produktiver Kleinprojekte spezialisiert
ist.
Ausgehend von der prinzipiellen Überlegung, daß die Problematik
der Bananenproduktion die Anbauregionen insgesamt belastet, unterstützt
der FOSBAS Projekte von Bananengewerkschaften, Kooperativen, Bürgerinitiativen,
Kultureinrichtungen, kommunalen und kirchlichen Gruppen, die das
Leben der Bevölkerung in der Bananenregion verbessern.
Bis 1998, dem vierten Jahr seines Bestehens, hat sich der mit
jährlich 60.000 Dollar ausgestattete FOSBAS zu einem beispielhaften
und noch immer einzigartigen Finanzierungsprogramm entwickelt.
Von der Fondssumme werden 70% in der größten Bananenregion Costa
Ricas an der Karibikküste eingesetzt. Dort überwiegen die Lohnarbeitsplantagen
multinationaler und einheimischer Unternehmen. In der kleineren
Anbauregion der südlichen Pazifikküste, die von bananenproduzierenden
Kooperativen geprägt ist, werden 30% des FOSBASFonds verwendet.
Wie schon im Vorjahr wurden 1998 an der Karibikküste vor allem
kommunalen Organisationen Finanzierungen bewilligt, für Projekte
in den Bereichen Schulbildung und medizinische Versorgung. In
gleichem Maß wurden Aktivitäten der Bananengewerkschaften für
die Interessensvertretung der Plantagenbeschäftigten und die Stärkung
ihrer Organisation unterstützt. Unter den ständigen FOSBAS-Empfänger
an der Atlantikküste befinden sich etliche der rund 20 Organisationen,
die im Foro Emaús für die Überwindung der mit dem Bananenanbau
verbundenen sozialen, gesundheitlichen und ökologischen Schädigungen
zuammenarbeiten. Zu ihnen gehören u.a. das Katholische Sozialpfarramt
der Diözese Limón und die Gewerkschaftskoordinierung COSIBA.
Auf Grund der seit 1995 gesammelten Erfahrungen wurden Bewilligungskriterien,
Definition der Einsatzgebiete und Finanzierungsformen ständig
weiterentwickelt. Nach der anfänglichen Streufinanzierung beruht
die Vergabepraxis des FOSBAS heute trotz der begrenzten Höhe des
Gesamtfonds und folglich der einzelnen Projektfinanzierungen in
größerem Maß auf entwicklungsstrategischen Planungen, auch wenn
noch immer gilt, daß der FOSBAS in erster Linie nur Zuschußfinanzierungen
gewähren kann. Die Fondssumme wird 1998 in fast gleichen Anteilen
über einzelne Schenkung von bis zu 932 Dollar pro Antrag oder
als Produktionskredit von maximal 1.865 Dollar pro Projekt vergeben.
Qualifiziert sind hierfür Individual- und assoziierte ProduzentInnen.
Außerdem können Organisationen durch die Finanzierungsart Verlaufsprojekte
größere Schenkungsfinanzierungen als bisher bekommen. So erhielten
1998 z.B. die Gewerkschaft UTRAL sowie die Vereinigung der nicaraguanischen
Arbeits-immigrantInnen ATNU jeweils 3.900 Dollar für die Stärkung
ihrer Organisationen. Zudem ist es möglich, daß in gerechtfertigten
Fällen verschiedene Finanzierungsarten (Schenkungen, Kredite,
Verlaufsprojekt) zugunsten eines einzigen Antragstellers kombiniert
werden, um sich ergänzende Maßnahmen zu finanzieren.
1998 werden 42 Projekte mit Schenkungen, 8 Produktionsprojekte
mit Krediten und 3 Verlaufsprojekte über den FOSBAS finanziert
werden. Etwa zwei Prozent der Bevölkerung der Karibikküste erfahren
direkt als Projekt-Zielgruppe oder indirekt als Familienangehörige
positive Auswirkungen durch FOSBAS-Finanzierungen. Das ist für
den FOSBAS ein sehr gutes Ergebnis, vor allem weil die FOSBAS-Mitarbeiter
in FOMIC nicht einfach Geld verteilen, sondern durch fachliche
Beratung koordinierend für gleichartige Entwicklungsinitiativen
im Bananenanbaugebiet wirken.
Während Verwaltungseffizienz und bisherige Ergebnisse für den
FOSBAS sprechen, hat die aus anderen Gründen erzwungene Einstellung
der Bananenarbeit unserer Schwesterorganisation Gebana in der
Schweiz die Fortsetzung des Fonds ab dem Jahr 2.000 in Frage gestellt.
Die von BanaFair aufgebrachten Projektmittel reichen dafür nicht
aus. Deshalb suchen wir ab sofort Mitfinanzierer für den Fonds.
Wer sich dafür interessiert, kann bei BanaFair detaillierte Informationen,
einschließlich der Rechenschaftsberichte der ersten vier FOSBA-Jahre,
anfordern.
Einige Beispiele für Finanzierungen des FOSBAS:
- Schule San Miguel, Matina Trinkwasserversorgung
- Gesundheitsposten, Rambla Gesundheitskurse
- Gewerkschaft Sitagah Arbeit des Frauenkomitees
- Schule, Palmar Sur Behindertentransport
- Mütterkomitee, Pocora Bau eines Versammlungsraumes
- Gewerkschaft Sitrapaís Registrierungskosten der Gründung
- Coopeadelante Fortbildung Buchhaltung
- Las Brisas, Siquirres Schulmaterial
- Fraueninitiative Limón 2000 Grundstückskauf
- Gewerkschaft Sitrachiri Seminar Rechtsfragen
- Kulturkomitee La Victoria, Sarapiquí Theaterstück
- Gewerkschaftskoordination COSIBA Jahrestagung
Projekt: Ausbildungsstätte für organische Produktion und Analyse
der Geschlechterrollen
Die Ausbildung in organischer Agrarproduktion mit der Analyse
geschlechtsspezifischer Rollenverteilung im Haushalt und bei der
Erwerbsarbeit zu kombinieren ist das Ziel eines Projekts in Costa
Rica, für das BanaFair die Finanzierung bereitstellt. Träger des
Projekts sind die BananenarbeiterInnengewerkschaft SITAGAH und
die Kooperative COOPETRAIN, in der sich LandarbeiterInnen, KleinerzeugerInnen
und HandwerkerInnen in der Gegend um Río Frío im Kanton Sarapiquí
organisiert haben. Das Ausbildungsangebot richtet sich vor allem
an Frauen in der Bananenplantagenregion, die oft wesentlich oder
alleine den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder sicherstellen
müssen. Tagelohnarbeit, sexuelle Diskriminierung und Drangsalierung
auf den Bananenplantagen als größten lokalen Arbeitsstätten sowie
der Dominanzanspruch der Lebenspartner beschränken jedoch drastisch
die Möglichkeiten der Frauen, über ein ausreichendes Einkommen
verfügen und ihre Selbstbestimmungsrechte ausüben zu können. Mit
dem Projekt sollen auserdem die Individualbauern der Region angeregt
werden, biologisch-organische Techniken in der Landwirtschaft
einzusetzen. Das Projekt im Gesamtwert von US$37.760 wird in drei
Phasen realisiert, von denen die erste zwischen Mai und September
1998 abgeschlossen wurde. Unter der Leitung der Koordinatorinnen
Ligia Lamich Méndez (SITAGAH) und Catherine Jiménez Quirós (COOPETRAIN)
nahmen 90 Personen an den Maßnahmen der ersten Phase teil. Dazu
gehörte ein Kurs in Organischer Produktion, der vom Nationalen
Berufsbildungsinstitut (INA) veranstaltet wurde. Die erworbenen
Kenntnisse konnten die TeilnehmerInnen direkt umsetzen, als sie
eine Bestellung von 50 Säcken organischem Dünger für einen schuleigenen
Gemüsegarten bekamen. Für die Projekt-Ausbildungs-stätte wurde
ein eigener Experimen-tiergarten angelegt.
Eine weitere Maßnahme in der ersten Projektphase war ein Kurs
zum Thema Geschlechtsbedingte Sozializierung, veranstaltet von
dem regierungsunab-hängigen Arbeits- und Sozialfor-schungswerk
ASEPROLA (Costa Rica). Themen des mehrtägigen Seminars waren:
Rollenverteilung, Frauen- und Männerbilder, Geschlechtsunterschiede,
Tagesablauf von Frauen und Männern. Ein zweites Seminar zu geschlechtspezifischen
Fragen beschäftigte sich mit den Themen Frauen in der Arbeitsgesetzgebung,
Frauen und Organisation, Geschlechstdefinitionen und sexuelle
Nötigung.
Die ProjektträgerInnen zogen eine positive Bilanz der bisherigen
Seminare und Praktika. Erstmals wurde den TeilnehmerInnen bewußt,
daß bei der Analyse geschlechtsbedingter femininer Rollenprobleme
nicht allein über die Frauenrollen, sondern auch über die der
Männer gesprochen werden muß. Das ermöglichte die Einbeziehung
von Männern in das Ausbildungangebot des Projekts. Die erworbenen
Kenntnisse der aktuellen Gesetzgebung helfen den Frauen, sich
gegen sexuelle Drangsalierung und Diskriminierung am Arbeitsplatz
und Gewalt zu Hause zu wehren. Während des Seminars konnten etliche
Faktoren geklärt werden, die bisher eine größere Beteiligung der
Frauen in Organisationen (Gewerkschaften, Kooperativen) hemmen,
darunter vor allem die Ausgrenzung durch Männer und die Selbsteinschränkung
der Frauen.
Die von BanaFair gewährte Finanzierung ermöglichte in der ersten
Phase auch die Ausstattung des Projektbüros mit einem Computer,
Faxgerät, Schreibtischen und Stühlen. In der anstehenden zweiten
und dritten Phase des Projekts werden weitere Kurse zu Geschlechterfragen,
Ausbildung in Buchhaltung, Seminare und Praktika über organischen
Anbau (u.a. Heilpflanzen) und eine Studie für den Beginn einer
kommerziellen organischen Produktion unter Leitung der am Projekt
beteiligten Frauen durchgeführt werden.
Übersicht
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