Wir wollen zwei-, drei-, viersprachig werden
Ramón Buitreago Sarazazo ist gebürtiger Bribri aus Talamanca.
Er ist Direktor der ersten Indígena-Schule von Amubri sowie Vorsitzender
des Kultur-Radiosenders von Talamanca. Im folgenden berichtet
er über die Anstrengungen, mit der Einrichtung dieser mehrsprachigen
Schule einen wichtigen Beitrag zur Identitätsstiftung der Menschen
in der Region zu leisten. Wir danken Andrea Lugauer für die Übersetzung
des Textes.
BanaFair: Herr Sarazazo, ich nehme an, Ihre Schüler haben es nicht ganz
leicht?
Ramon Buitreago Sarazazo: Ja, hier muß man schon etwas geben. Es regnet viel in dieser
Zone, wir haben fünf große Flüsse, ein übliches Transportmittel
sind Fähren. Man ruft sie, um von einem zum anderen Ufer zu gelangen.
Der Großteil der Schüler, die hier zur Schule gehen, muß auf Naturwegen
bis zur Schule laufen. Diese trillos können zehn, zwölf oder
mehr km lang sein. Im allgemeinen laufen die Schüler drei oder
vier Stunden. Es gibt auch Schüler, die sich hier in Amubri eine
Unterkunft suchen müssen, bei Freunden oder Familienangehörigen.
Viele Familie werden sich den Schulgang ihrer Kinder finanziell
nicht leisten können.
Davon gibt es sehr, sehr viele. Es gibt in vielen Gemeinden Menschen,
die noch nicht mal die Grundschule besucht haben.
Wie steht es also um die Bildungssituation in Talamanca?
Ein großes Problem ist, daß viele Familienväter ihre Verantwortung
für die Bildung, im besonderen die berufliche, ihrer Kinder nicht
sehen. Zumeist delegieren sie diese an die Lehrer. Ein anderes
Problem sind die Lehrpläne. Sie werden vom Ministerium festgelegt
und haben wenig mit den Bedürfnissen und den Realitäten in dieser
Region zu tun.
Welche Anforderungen stellen Sie an einen den Verhältnissen angepaßten
Lehrplan?
Dies ist eine provinzielle Region, die vor allem von der Feldarbeit
und der Landwirtschaft lebt. Die Schüler oder Studenten von Talamanca
brauchen Werkzeuge, um diese Art Arbeiten bewältigen zu können.
Sie müssen wissen, wie sie ihre Lebensqualität verbessern können.
Und ich denke, daß die Bildung dies unterstützen muß. Eine zentrale
Rolle spielt dabei die Umwelterziehung. Wir verstehen darunter
eine geistige Förderung mit dem Ziel, die ökologische Landwirtschaft
zu verbessern. Daneben müssen Bereiche wie das Kunsthandwerk oder
indianische Kunst und Musik gefördert werden. All diese Projekte
dienen der Stärkung unserer Kultur.
Gut, sprechen wir über die Sprachen, die Sie unterrichten.
Vor zwei Jahren haben wir es erreicht, daß wir an dieser Schule
die Indígena-Sprachen Bribri und Cabécar eingeführt haben. Wir
sind damit die einzige Schule dieser Art in der Region. Der Unterricht
in den Indígena-Sprachen ging übrigens nicht auf eine Forderung
der Regierung zurück, sondern wurde von den Gemeinden durchgesetzt.
Vor der Einführung hatten wir eine Meinungsumfrage gemacht. Die
meisten forderten Pflichtunterricht in beiden Indígena-Sprachen.
Daneben wird aber auch in Englisch und Spanisch unterrichtet.
Man muß sich das also so vorstellen, daß diese Sprachen als Unterrichtsfächer
angeboten werden und nicht der Unterricht die ganze Zeit über
zweisprachig abgehalten wird?
Ja, genau. Das haben wir allerdings noch nicht erreicht. Aber
es ist unsere Vision, zweisprachig, besser gesagt drei- in unserem
Fall sogar viersprachig zu werden.