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Von „sauberen Früchten“ zur
ökologischen Produktion.
Die Bananenproduktion der Kleinbauernorganisation
UROCAL in Ecuador.
Ob Kaffee, Tee oder Bananen: in der Regel werden diese
“Kolonialwaren” auf großen Plantagen
angebaut, in Monokulturen und unter Einsatz hochgiftiger
Pestizide. Wenn auch die chemischen Rückstände
uns als VerbraucherInnen kaum bedrohen, so schädigen
sie doch ganz massiv Mensch und Natur in den
Anbauländern des Südens. Doch es gibt
Alternativen, auch bei den krummen Früchten: zunehmend
stellen Kleinbauern in Lateinamerika und der Karibik auf
biologischen Anbau um. Z.B. UROCAL in Ecuador:
UROCAL heißt übersetzt: Regionale Union der
Bauernorganisationen der Küstenregionen in Ecuador. 25
Basisorganisationen, darunter Dorfkooperativen,
Frauenkomitees und eine Kreditgenossenschaft mit insgesamt
über tausend Mitgliedern gehören heute zu UROCAL.
Entstanden ist dieser Dachverband aus den Landkämpfen
der sechziger Jahre. Die meisten Bauernfamilien
bewirtschaften Felder zwischen einem und 15 ha, im
Küstenstreifen zwischen Guayaquil und Machala in der
Provinz El Oro. Die Bananen-Bauern von UROCAL gehören
zu den ca. 5000 Kleinbauern im Lande, die etwa 60% der
gesamten Bananenproduktion Ecuadors liefern. 20-25% wird
von mittleren Plantagenbesitzern, der Rest von den
großen Transnationalen Konzernen und der
einheimischen Familiendynastie Noboa angebaut. Ecuador hat
weltweit einen Exportanteil von 34%. Die
Arbeitsbedingungen auf den Großplantagen sind
schlecht, es gibt kaum gewerkschaftliche Organisierung.
Für die Beschäftigten bleibt ein Hungerlohn,
während sich das Land seiner niedrigen
Produktionskosten rühmt. Seit der Einführung des
Dollars Anfang 2000 hat sich der Warenkorb einer Familie um
92% verteuert und die Armut in weiten Teilen der
Bevölkerung hat weiter zugenommen.
Seit mehr als drei Jahren kooperiert die
Fair-Trade-Organisation BanaFair mit UROCAL. Ein Teil der
BanaFair-Bananen wird von 14 Familien in dem kleinen Ort
Las Palmas angebaut. Außer einer Schule, einer
Kirche und einem Kiosk gibt es dort keinerlei
Infrastruktur. Die Ausstattung der Familien mit
elektrischen Strom, Trinkwasser und WC ist sehr
unterschiedlich und nicht immer vorhanden. Der Handel mit
BanaFair bedeutet oft die einzige stabile Einnahme zur
Versorgung ihrer Familien. Vor dem Hintergrund der
ökonomischen Krise in Ecuador und den schlechten
Preisen der konventionellen Aufkäufer bietet der
Faire Handel eine reale Entwicklungsperspektive. Auch der
Dachverband UROCAL erhält einen Teil des Mehrpreises
für Gemeinschaftsaufgaben. In Las Palmas wird ein
kleines Gesundheitsprogramm finanziert. In diesem Rahmen
wurde eine Bestandsaufnahme der gesundheitlichen Situation
gemacht. Die Daten stehen einer Ärztin und einer
Krankenschwester zur Verfügung, die reggelmässig
zur Sprechstunde ins Dorf kommen. Zum Programm gehören
außerdem: die Einrichtung einer kleinen Apotheke,
Schulungen über Hygiene, Gesundheitsvorsorge und
Ernährung, Sofortmaßnahmen zur Verbesserung der
Trinkwasserqualität und die Einrichtung eines
kommunalen Gemüsegartens. Zudem kann ein zweiter
Lehrer an der Dorfschule bezahlt werden.
Die Ökologisierung der Produktion gehört zu den
Hauptzielen von UROCAL und wird durch den Fairen Handel
unterstützt. Ein Programm zur Umstellung der
Produktion wird aus dem Fair-Trade-Preis finanziert und
schrittweise umgesetzt. Viele Bauern verzichten schon lange
auf den üblichen Giftcocktail aus Unkraut- und
Insektenvernichtungsmittel. Schwierig unter Kontrolle zu
halten sind Pilzkrankheiten, die sich in den feucht-warmen
Anbaugebieten gerne ausbreiten. Das Rezept ist zwar
einfach, aber mit viel Arbeit verbunden: Stärkung der
Pflanze durch Mulchen, Mischkultur und organische
Düngung, mechanische Unkrautbekämpfung usw. Der
Genossenschaftsverband UROCAL berät die Bauern
fachkundig bei der Umstellung auf kontrolliert biologischen
Anbau. Die Pflanzdichte auf den Feldern wird verringert, es
werden Mischkulturen angelegt, z.B. mit Kakaopflanzen bzw.
nicht landwirtschaftlich nutzbaren Sträuchern und
Bäumen (Agro-Forst-System). UROCAL hat sich dem Ziel
einer nachhaltigen Entwicklung verschrieben und die
Ökologisierung der Produktion ist ein wichtiger
Schritt dahin: die Böden bleiben fruchtbar und die
Menschen gesund. Nach drei Jahren partnerschaftlicher
Kooperation mit BanaFair trägt das Projekt
Früchte: UROCAL produziert Bio-Bananen in bester
Qualität. Sie sind zertifiziert nach der
EU-Bio-Verordnung durch BCS und - bisher einzigartig- auch
vom Anbauverband Naturland®!
Ungerechtigkeiten im Welthandel sind an der Tagesordnung:
gerade Kleinbauern sehen sich oft für sie
undurchsichtigen Strukturen gegenüber und sind dem
Preisdruck des Weltmarktes gnadenlos ausgeliefert. Für
ihre Produkte erhalten sie häufig weniger Geld als sie
für den Anbau aufbringen müssen. Wovon sollen sie
leben und die Zukunft ihrer Kinder bezahlen? Hier setzt der
Faire Handel an: durch bessere Preise ermöglicht er
benachteiligten KleinproduzentInnen in den Ländern des
Südens, ihre Arbeits- und Lebensbedingungen zu
verbessern. Fairer Handel steht für partnerschaftliche
und verläßliche Handelsbeziehungen, fördert
die soziale Gerechtigkeit und den schonenden Umgang mit den
natürlichen Lebensgrundlagen. Ein wichtiges Merkmal
ist die langfristige Zusammenarbeit, ein anderes der
bessere Preis. In Ecuador etwa gibt es für Bananen ein
staatliches Mindestpreissystem, das den Bauern knapp 2,90
Dollar pro Karton garantieren soll. Doch häufig halten
sich die Exportfirmen nicht daran, zahlen 1 Dollar oder
weniger. Die UROCAL-Bauern dagegen erhalten von BanaFair 5
Dollar für ihre Bio-Banane und der
Genossenschaftsverband UROCAL selbst noch einmal 2 Dollar
für Gemeinschaftsaufgaben, Sozial- und
Umweltprogramme. Insgesamt ist dies für die
ProduzentInnen im Jahresdurchschnitt das Doppelte bis
Dreifache des üblichen Marktpreises. Es ist auch
deutlich mehr, als andere Firmen für Bio-Bananen
bezahlen. Zudem wird beim Verkauf jeder Kiste
BanaFair-Bananen ein Projektbeitrag von 3,60 DM erhoben.
Dieser dient zur Förderung von sozialen, politischen,
ökologischen und ökonomischen Projekten von
Partnerorganisationen in anderen bananenproduzierenden
Ländern.
“Die Zukunft der Erde erfordert eine ökologische
und faire Wirtschaftsweise.” (Rio, 1992) Aber
Beschlüsse von internationalen Konferenzen allein
schaffen keine neue Realität. Das Ziel einer
nachhaltigen Entwicklung erfordert neben den politischen
und ökonomischen Rahmenbedingungen auch eine
praktische Umsetzung im Alltag: global denken, lokal
handeln.
Joaquín Vásquez, Präsident von UROCAL,
sagt: „Wir werden vollständig auf
ökologischen Landbau umstellen, zum Wohle von Mensch
und Natur. Doch dazu brauchen wir auch Freunde, die uns
politisch unterstützen, Menschen, die unsere Produkte
kaufen und bereit sind, dafür einen angemessenen Preis
zu zahlen. Solche Freunde haben wir im Fairen Handel
gefunden.“
Rudi Pfeifer
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