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Social Accountability 8000

Nach ihrem Vortrag war Alice Tepper Marlin noch begeistert von der Konzentrationsfähigkeit des deutschen Publikums. Die Präsidentin des New Yorker Council on Economic Priorities Accreditation Agency (CEPAA) stellte im Juli auf Einladung des imug (Institut für Markt-Umwelt-Gesellschaft) in Hannover den von ihr mitentwickelten Sozialstandard SA 8000 vor. Das imug wollte damit eine Diskussion über Zertifizierung sozialer Standards von Zulieferbetrieben in der Dritten Welt in Deutschland anstoßen. Eingeladen waren denn auch wichtige entwicklungspolitische Organisationen aus der BRD und fast alle waren gekommen – um kritische Fragen zu stellen. Gegen Ende der Veranstaltung war Alice Tepper Marlins Begeisterung daher auch merklich abgekühlt.

Zertifikat für die Menschenwürde?

Ziel des Sozialstandards SA 8000 ist die Beachtung von sozialen Menschenrechten und die Schaffung menschenwürdiger Arbeitsplätze von weltweit agierenden Unternehmen und deren Lieferanten. Der Standard beinhaltet u.a. alle relevanten Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation wie etwa jene zur Vereinigungsfreiheit, zum Verbot der Diskriminierung, zur Abschaffung der Zwangsarbeit, und zur Regelung der Plantagenarbeit. Er wurde daher auch von den TeilnehmerInnen des Studientages nicht in Frage gestellt. Unternehmen, die sich um eine Zertifizierung bemühen, müssen sich einer periodischen Überprüfung aller Betriebsteile im Rahmen von SA 8000 bemühen. Das Ziel ist eine kontinuierliche Verbesserung der Unternehmenspolitik bei der Erfüllung des Standards. Anhand eines Zeitplans müssen daher Fortschritte bei der Umsetzung dokumentiert werden.

Für den Zertifizierungsprozeß unerläßlich ist das sogenannte guidance document, das den Standard und dessen Implementierung bzw. Überprüfung erklären soll. Es soll als Handbuch für Auditoren und Zertifizierungsunternehmen dienen.

Dieses Schlüsseldokument wird jedoch erst in zwei Jahren fertig sein, Ergebnisse der zur Zeit laufenden Pilotprojekte sowie Erfahrungen von NGO sollen dort mit einfließen. Die Zertifizierer müssen sich ebenfalls qualifizieren, als erstes ist dies dem weltgrößten Unternehmen der Branche, der Societé Generale de Surveillance (SGS) gelungen. NGO dürfen, so ist dem guidance document zu entnehmen, ebenfalls an dem Prozeß teilnehmen, jedoch nur nach strenger Kontrolle und unter Auflagen. Wie Alice Tepper Marlin in einem Gespräch im Anschluß an die Tagung erklärte, würde sich die CEPAA über einen input von BanaFair freuen. Zur Zeit befindet sich das CEPAA nämlich im Gespräch mit “zwei großen amerikanischen Bananenkonzernen”. Zur Teilnahme an dem Prozeß müsse jedoch eine Verpflichtungserklärung unterschrieben werden. Ob BanaFair dann auch nicht z.B. über einen Todesfall auf einer Chiquita-Plantage (wie Ende letzten Jahres geschehen) berichten dürfte, ließ sie offen.

Ein zertifiziertes Unternehmen gibt es auch bereits: Avon Products, Suffern New York. Ein Erfolg, denn auch in den USA ist es keineswegs selbstverständlich, daß Unternehmen entsprechende Sozialstandards einhalten. In Deutschland hat das Versandunternehmen OTTO großes Interesse für SA 8000 signalisiert. OTTO-Manager Merck, verantwortlich für Umwelt-Koordination, dazu: “Erst, wenn viele mitziehen, erhält SA 8000 die nötige Durchschlagkraft.” OTTO will auf jeden Fall dabei sein, weil “ethisches Verhalten ein wichtiges Kriterium für die zukünftige Zusammenarbeit ist”.

Viele der Fragen, die an Codes herangetragen werden, stellen sich auch für SA 8000. Zudem wird v.a. in den USA inzwischen die Firmennähe des CEPAA heftig kritisiert. Da SA 8000 zur Zeit noch in einer Pilotphase steckt kann das Instrument nicht abschließend beurteilt werden.

Sicher ist jedoch bereits heute, daß es wegen der relativ hohen Kosten vor allem für Großunternehmen geeignet ist. Eine Zertifizierung der gesamten Produktlinie, vor allem in der Bekleidungsindustrie, wird sehr schwierig sein und wird deshalb in einer ersten Phase auch gar nicht angestrebt. BanaFair wird auch in Zukunft die Entwicklung von SA 8000 kritisch weiterverfolgen. Denn gerade im Falle eines positiven Ergebnisses der Pilotphase werden die beiden großen Bananenkonzerne aller Voraussicht nach damit offensiv in die Öffentlichkeit gehen.

Bettina Burkert, Herbst 98

Social Accountability 8000

Social Accountability 8000 ist eine Zusammenfassung von sozialen Mindeststandards zur Auditierung und Zertifizierung von Zulieferbetrieben in der Dritten Welt. Der Standard umfaßt alle Kernkonventionen der Internationalen Arbeitsorganisation, die universelle Erklärung der Menschenrechte und die UN-Konvention zu den Rechten der Kinder. Entwickelt wurde SA 8000 vom Council on Economic Priorities Accreditation Agency (CEPAA) unter Berücksichtigung des Expertenwissen aus Wirtschaft und Industrie, Arbeits- sowie Menschenrechtsorganisationen und führender Zertifizierungsunternehmen in New York. Das CEPAA wurde zu Beginn des Jahres 1997 gegründet. Gleichzeitig wurde ein Beirat eingerichtet, der aus VertreterInnen der Industrie, NGO, Gewerkschaften, Zertifizierungsunternehmen und WissenschaftlerInnen besteht, um die Ausarbeitung eines Sozialstandards zum Schutz der ArbeitnehmerInnenrechte zu begleiten.

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Erstellt: 1. 10. 1999 | Letzte Änderung: 3. 6. 2000 | © BANAFAIR | Kontakt: Webmaster