"Wir hatten einmal eine kleine Schlange dabei..."
Es gibt keine BanaFair-Bananen ohne Reinhold Jachalke. Er arbeitet als Bananenreifer beim Fruchtgroßhändler Walter
Bohland GmbH in Mutterstadt bei Mannheim. BanaFair ist da allerdings
nur ein kleiner Kunde. Der Familienbetrieb ist eines der 52 Mitgliedsunternehmen
im Cobana-Fruchtring. Die Cobana ist damit der zweitgrößte Importeur
auf dem deutschen Bananenmarkt.
Wie sieht aber der Alltag im Reiferei-Business aus? Was passiert
mit der krummen Frucht auf dem Weg zum Geschäft? Fragen über Fragen,
auf die Herr Jachalke die Antwort gibt. Ob er auch weiß, warum die Banane krumm ist?
Wie wird man eigentlich Bananenreifemeister?
Ich bin regelrecht reingerutscht. Ich hatte einen Vorgänger, der
Bananenreifemeister war. Als der kurzfristig gekündigt hatte,
mußte ich einspringen, weil ich beim Ausladen meistens dabei war.
Und dann bin ich ins kalte Wasser gesprungen. Die ersten zwei
Sendungen sind dann natürlich in die Hose gegangen, die Bananen
sind zu gelb geworden. Man hat damals noch keine Möglichkeit gehabt,
sie richtig zu reifen. Um sie zu kühlen, hat man zum Beispieiel
nur die Tür aufgerissen.
Wie sieht Ihr Arbeitstag aus?
Ich fange meistens kurz nach 6 Uhr an und mache um 13 Uhr Feierabend.
Als erstes gehe ich von Kammer zu Kammer und messe die Temperatur.
Ich habe es schließlich mit lebender Ware zu tun. Man muß laufend
schauen, ob die Bananen noch etwas länger brauchen oder schon
etwas zu gelb sind. Danach werden die einzelnen Aufträge durchsortiert.
Der eine will sie gelb, der andere will sie halbreif oder - im
Sommer - fast grün. Man muß immer rumjonglieren, um die Abnehmer
zufriedenzustellen. Der wichtigste ist für uns ja der, der die
Bananen kauft. Wenn ein LKW kommt, lasse ich es mir nicht nehmen,
die Kisten selbst in die Kammer reinzusetzen. Denn ich will sie
ganz genau an der Wand entlang stehen haben, damit die Luft wirklich
durch die Bananen durch muß.
Wenn ich das richtig mitbekommen habe, hatten Sie seit 1964 kein
freies Wochenende.
Ja, ich muß auch Samstag und Sonntag her; zwar nur stundenweise,
aber ich kann nicht einfach ausschlafen. Manchmal kommen auch
unvorhergesehen Kunden her. Krank war ich schon jahrelang nicht.
Ich hatte höchstens mal eine Grippe, habe aber trotzdem weitergearbeitet.
Nur wenn ich Urlaub habe, muß mein Chef mich vertreten. Ich bin
immer froh, wenn ich in Urlaub bin, aber ich bin auch froh, wenn
ich wieder da bin.(lacht)
Nach dem Inkrafttreten der Gemeinsamen Marktordnung der EU sind
allgemein die Bananenpreise gestiegen. Hat das eine Auswirkung
auf Ihre Arbeit?
Wir mußten einen Mann entlassen, weil wir einfach nicht mehr den
Umsatz hatten wie davor. Damals verkauften wir bis zu sieben Lastzüge
jede Woche, jetzt sind es im Schnitt drei oder vier. Drei Mann
sind oftmals zu viel, zwei Mann zu wenig.
Kennen Sie eigentlich eine Bananenplantage?
Ja, ich habe mir auf Teneriffa Bananenplantagen angeschaut. Dort
habe ich erlebt, wie Bananen behandelt werden - mit Pestiziden
und Dünger und so. Da wird einem bange, wenn man sieht, wie die
Leute damit umgehen. Der Mann, den ich da gesehen hatte, hatte
total braune Flecken auf der Haut. Das ist nicht schön, wirklich
wahr.
Der Mann war auch sehr freundlich, wir durften uns alles ankucken.
Er hat hat uns die Sprößlinge gezeigt. Man soll es nicht glauben:
innerhalb von 8 Monaten kommt aus den Sprößlingen eine voll entwickelte
Bananenfrucht raus.
Man macht ja Witze, warum die Banane krumm ist. Aber es ist ganz
einfach: Dort, wo mehr Licht hinkommt, wächst die Banane mehr.
Im Schatten wächst sie wenig. Innen verkümmert sie, dadurch wird
sie krumm. Das ist die einzige Erklärung, zumindest die einfachste.
Denn Licht fördert das Wachstum und innen ist Schatten, da wächst
sie nicht - dadurch wird sie krumm.
Sie haben gerade anklingen lassen, daß die Banane von der Erzeugung
her eine nicht unproblematische Frucht ist. Sehen Sie Alternativen?
Ja, ich finde es gut, daß nicht nur die Konzerne die Gewinne haben,
sondern auch die kleinen Leute ihren Lebensunterhalt verdienen
können. Und ich weiß, daß dort weniger Gift verwendet wird, weil
die Arbeiter ja auf ihre eigene Gesundheit bedacht sind. Ich habe
auf Videos gesehen, wie wenig Schutz die Arbeiter sonst haben
und daß viele Leute steril werden. Die können keine Kinder mehr
zeugen. Das ist schon hart, wenn man das hört und die Konzerne
streiten alles ab.
In mehr als 30 Jahren als Bananenreifer sind bestimmt auch einige
kuriose Dinge passiert.
Bei einer Lieferung hatten wir hatten eine kleine Schlange dabei.
Hinterher hat sich rausgestellt, daß sie giftig war. Ein anderes
Mal habe ich eine Vogelspinne erlebt. Auf die hätte ich fast draufgelangt.
Jetzt kommen nur noch ab und zu kleine Eidechsen oder Frösche.
Ich bin auch im Verein der Kanarien-, Terrarien- und Vogelfreunde
und da gibt man die dann ab. Das sind schöne Tiere zum Teil. Einmal
ist in Mannheim sogar ein kleiner Affe in der Staude mitgekommen.
In letzter Zeit sind die Bananen dermaßen behandelt und kühl gehalten,
daß fast nichts mehr mitkommen kann. Die werden bei 13,3 Grad
auf dem Schiff gekühlt - dabei sind sogar schon Menschen umgekommen,
die versucht haben, sich hierher zu schmuggeln. Als das Schiff
in Europa ankam, waren sie schon erstickt. Denn die Banane nimmt
ja die Luft weg.
Gibt es einen Wunsch, den Sie sich als Bananenreifer noch gerne
erfüllen möchten?
Ja, ich würde gerne einmal eine Reise nach Südamerika machen und
direkt zu den Bananenplantagen dort gehen. Ich habe das bis jetzt
nur auf Video gesehen, in Werbefilmen und im ZDF. Die waren aber
sehr kritisch. Wie die mit den Bananen umgehen! Ich sage mir dabei
eines: Wenn die Bananen wirklich so gefährlich oder giftig wären,
dann wäre die Einfuhr schon längst verboten. Ja, ich würde gerne
die Reise machen, aber bloß wann?