|
|
Codes of Conduct
Schmusekurs mit den Multis oder Instrument für eine nachhaltigere
Bananenproduktion?
Vertrauen ist gut Kontrolle ist besser. Dies gilt um so mehr,
wenn sich Unternehmen freiwillig verpflichten, bestimmte soziale
und ökologische Mindeststandards einzuhalten. Die Konzerne fürchten
um ihr Image, denn sie haben erkannt, daß sich die KonsumentInnen
heute für mehr als nur den Preis eines Produktes interessieren.
Ihre Antwort: die Etablierung eigener Codes of Conduct. Doch auch VertreterInnen von Gewerkschaften des Südens und NRO
im Norden halten Codes für einen gangbaren Weg. So könnte kurzfristig
eine Verbesserung der Situation z.B. in den BananenproduzentInnenländer
erreicht werden, Verstöße gegen Codes könnten für die Öffentlichkeitsarbeit
genutzt werden. Dies ergab zumindest die Diskussion mit TeilnehmerInnen
auf dem FORUM BANANE V, das die Bananen-Kampagne im März 1998
durchführte. Einig war man sich jedoch auch, daß daneben andere,
mittel- und langfristige Instrumente eingesetzt werden müssen
und, daß Verhaltenskodizes keinesfalls staatliches Handeln ersetzen
können.
Codes als Marketingantwort von Unternehmen
Unternehmen geben sich Codes oft nur als Marketingantwort oder
benutzen sie, um Kampagnen von NRO zu stoppen. Dabei lassen sie
die Beteiligung der ArbeiterInnen und Gewerkschaften meist nicht
zu. Auch wichtige Schlüsselforderungen fehlen. Das Council on
Economic Priorities, ein privates Forschungsinstitut in New York,
hat dazu 1996 über 360 Unternehmen in USA befragt. 71% davon hatten
einen eigenen Code, aber nur bei 20% war Gewerkschaftsfreiheit
als Kernforderung verankert.
Im Idealfall sollte das für die Etablierung eines Codes notwendige
Verfahren transparent sein. Bei dessen Implementierung sollte
zunächst darauf geachtet werden, daß das Dokument - auch in der
lokalen Sprache - im Unternehmen bekannt gemacht wird. Zur Umsetzung
aller Bestimmungen müssen Verantwortliche in dem jeweiligen Unternehmen
benannt werden. Zudem muß ein Code sowohl unternehmensintern und
als auch extern und unabhängig kontrolliert werden. Das Monitoring
sollte durch speziell geschulte MitarbeiterInnen, entsprechende
Unternehmen, Menschenrechtsorganisationen oder individuelle ExpertInnen
erfolgen. ArbeiterInnen, NGO und Gewerkschaften müssen über ein
Beschwerderecht verfügen. Es liegt auf der Hand, daß dieser Idealfall
in der Realität kaum eintreten wird. KritikerInnen stellen deshalb
zudem folgende Fragen:
- Stärkt die Existenz von Codes die Verhandlungspositionen von ArbeiterInnen
oder können sie ein zusätzliches Instrument im Verhandlungsprozeß
sein?
- Wie soll die Beziehung zur regierungsamtlichen Gesetzgebung und
Inspektionen sein?
- Unterminieren Codes Verhandlungen über kollektive Arbeitsverträge?
- Existiert eine angstfreie Atmosphäre, die es den ArbeiterInnen
erlaubt, sich zu beschweren?
- Besteht die Gefahr, daß Codes im Laufe der Zeit als die Norm akzeptiert
werden und nicht lediglich als Mindeststandards?
- Werden kleinere, nicht so wettbewerbsfähige Unternehmen evtl.
durch Codes benachteiligt?
- Können Codes glaubhaft überprüft werden? Welche Hindernisse gibt
es dabei? Können bestimmte Punkte, z.B. sichere Arbeitsverhältnisse
überhaupt durch Stichprobenkontrolle überprüft werden?
- Wer sind die geeigneten Organisationen zur Überprüfung? Sollten
dafür kommerzielle Unternehmen, deren soziale Kompetenz oft angezweifelt
wird, eingesetzt werden? Oder kann eine von Unternehmen, Gewerkschaften
und NGO zu gründende Stiftung nützlich sein, die auch zur Finanzierung
der Arbeit dient?
- Welche Partizipationsmöglichkeiten stehen den betroffenen ArbeiterInnen
zur Verfügung?
Im Rahmen ihrer Arbeit zu Verhaltenskodizes und gemeinsam mit
lateinamerikanischen Partnerorganisationen wollen sich BanaFair
und die Bananen-Kampagne vor allem um die Beantwortung der zuletzt
genannten, zentralen Frage bemühen. Daneben steht aber ein anderer
wichtiger Punkt auf der Agenda des Vereins. So hatte sich der
Fruchtmulti Dole im Rahmen der Internationalen Bananen-Konferenz
im Mai 1998 gegenüber GewerkschaftsvertreterInnen positiv zur
Entwicklung von Codes geäußert. BanaFair wird nun dieses Gesprächsangebot
und den daran anschließenden Prozeß kritisch begleiten.
Codes of Concuct für Unternehmen
Codes sind freiwillige Selbstverpflichtungen für Unternehmen mit
dem Ziel eine Verbesserung der Arbeitsverhältnisse- und bedingungen
zu erreichen. Im Idealfall sollten Codes mindestens die Kernkonventionen
der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) beinhalten. Darüber
hinaus sollten sie auch Forderungen nach der Dauer der Arbeitszeit,
Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, einem angemessenen
Lohn, der mindestens die Basisbedürfnisse befriedigt, und branchenspezifischen
Umweltschutzbestimmungen beinhalten. Zudem sollten in den Richtlinien
zur Umsetzung von Codes deren Reichweite, denn Codes sollten sich
auf die gesamte Produktionslinie (incl. der Zulieferer) und den
Handel beziehen, eine Berichtspflicht sowie eine unabhängige Überprüfung
enthalten sein. |
Übersicht
|